Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Spinoza, ein Jude im Europa des 17. Jahrhunderts
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 18)
- Language
- German
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sprach, war von den neuen Erkenntnissen der Naturgesetze inzwischen gesprengt worden. Bei einem der Verkünder dieses neuen, des kopernikanischen Weltbildes, Galilei, hatte sich Joseph Salomo del Medigo, der Nachkomme einer aus Deutschland eingewanderten aschkenasischen Familie, in Mathematik und Astronomie unterweisen lassen. Dieser Jude, der auf Kreta zur Welt gekommen war, an italienischen Universitäten Medizin studiert hatte und ein Jahr vor der Ausstoßung Spinozas starb, war in allem der Gegentyp des Philosophen: hatten Spinozas Werktreue und Heimatliebe eine Berufung des Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz an die Universität Heidelberg abgelehnt, so trieb sich der unruhige Geist del Medigo, der des Hebräischen, Lateinischen, Griechischen, Italienischen und Spanischen mächtig war, bald in Kairo und in Konstantinopel, bald in Frankfurt und in Worms, bald in Hamburg und in Amsterdam, bald als Arzt, bald als Rabbiner, bald als ,, Journalist“ herum, wie man ihn nach dem Beispiel Aretinos schon bezeichnen könnte. Während Spinozas Wahrheitsliebe noch die seines geistigen Lehrers Descartes übertraf, der sich auszusprechen scheute, was einen Bruch mit der Kirche zur Folge haben könnte, brachte del Medigo es fertig, im Vorwort zu einem Buche die Worte niederzuschreiben: „Ich trete in diesem Werke der Philosophie entgegen und für die Kabbala ein, weil ich dazu von einem der jüdischen Honoratioren aufgefordert worden bin, der augenblicklich den Ansichten der 64