Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Spinoza, ein Jude im Europa des 17. Jahrhunderts
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 17)
- Language
- German
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bei der Wahl der arabischen Sprache für seinen „More Newuchim“ vielleicht von einem gleichen Gefühl geleitet wie Spinoza, als er einer Übersetzung des „Theologisch-Politischen Tractats“ aus dem Lateinischen in die Landessprache vorbeugte, weil er von der Masse mißverstanden zu werden scheute (und das galt von der niederländischen wie von der jüdischen). Wenn es zu Maimonides Zeiten kühn gewesen war, biblische Stellen, die mit der Vernunft nicht in Einklang zu bringen waren, als allegorisch zu erklären, so war das für Spinoza schon ein Stehenbleiben auf halbem Wege. Weniger tief im Judentum verwurzelt als Maimonides, hatte Spinoza die Glaubenskämpfe der christlichen Kirchen erlebt, Dogmatik und Autorität waren in diesem Zeitalter fragwürdig geworden: Spinozas Lehrer in den humanistischen Wissenschaften, Dr. Franziscus van den Enden, war ein entlaufener Jesuit. Die jüdische Theologie hatte sich nicht einmal zu einem Dogma verdichtet. Um so verführerischer klang das Wort des englischen Philosophen Bacon, daß Wissen Macht wäre. Das mußte einem jüdischen Bachur leicht eingehen. Der Franzose Descartes hatte seine Philosophie auf den Zweifel gegründet. Spinoza gewährte nur den cartesianischen Lehren Einlaß in seine Gedankenwelt wie Maimonides zu seiner Zeit den aristotelischen. Das System des Aristoteles aber, das Rambam selbst, ohne es zu bemerken, schon an jener Stelle durchlöcherte, an der er von der Unerkennbarkeit der letzten Dinge 63