Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Spinoza, ein Jude im Europa des 17. Jahrhunderts
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 16)
- Language
- German
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das alles sind Ansichten, mit denen Mosche ben Maimon dem Spinoza vorgearbeitet hatte. „Es ist deutlich und klar, daß die Liebe zu Gott nicht eher im Herzen des Menschen Wurzel faßt, als bis er beständig von ihr erfüllt ist und er alles andere in der Welt verläßt... Er vermag aber den Heiligen, gesegnet sei er, nur gemäß der Erkenntnis zu lieben, mit der er ihn erkennt, und dem Erkennen gemäß wird die Liebe geringer oder größer sein.“ Dieser Satz des Maimonides stellt geradezu die Naht zwischen seinem und Spinozas Denken vor. Die Einheit der Sehnsucht nach Gott und der Sehnsucht nach Klarheit, die in Spinozas religionsphilosophischem Denken eine so große Rolle spielt, war in dieser jüdischen Bemühung um Aristoteles bereits vorgebildet. Zwar machte Rambam dem Aristoteles gegenüber Vorbehalte in der Frage der Offenbarung. Daß er aber den Bibelglauben an die Weltschöpfung aus dem Nichts für nicht mehr ausreichend hielt, weil die Natur er kenntnis inzwischen fortgeschritten wäre, daß er selbst Offenbarung und Überlieferung von der Vernunft überprüft wissen wollte, das war eine Ausbreitung des Rationalismus auf Gebiete, gegen die sich seine Zeitgenossen zur Wehr setzten. Und wie die Rabbinen, die Spinoza exkommunizierten, diesen ebenfalls vor der calvinischen Landeskirche als Religionsfrevler denunzierten, so hatten auch die Gegner des Maimonides nicht geruht, bis die Kirche, hundert Jahre nach seiner Geburt, im südfranzösischen Montpellier seine Schriften öffentlich verbrannte. Endlich wurde Maimonides 62