Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Spinoza, ein Jude im Europa des 17. Jahrhunderts
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 15)
- Language
- German
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gesehen unfrei, vom Menschen aus frei — Worte, die sich unverändert bei Spinoza selber finden könnten: „Wie die Ausdehnungen des Leeren in die Ausdehnungen des Körperlichen eingehen, so ist Gott in allen Teilen der Welt, ist er ihr Ort, der sie trägt und hält.“ Zeitlich voran ging diesen Anregern Spinozas jener Große aus dem 12. Jahrhundert, dessen Einfluß am nachhaltigsten war: Moses Maimonides. Mit ihm, der von ähnlichen Voraussetzungen ausging, wenn man davon absieht, daß sein Judentum von Generationen her gesichert war, dasjenige Spinozas aus flackerndem Maranentum auferstanden, mußte sich Spinoza kämpferisch auseinandersetzen. Unter dem Eindruck, daß die Beschäftigung mit der griechischen Philosophie, die den Juden durch die Berührung mit dem arabischen Kulturkreis aufs neue vermittelt worden war, seine Glaubensgenossen in ihrem Judentum beirrte, hatte Maimonides, den „Führer der Irrenden“ geschrieben. Die Einwirkung dieser Schrift auf die mittelalterliche Scholastik war außerordentlich groß, aber noch Leibniz, dieser jüngere Zeitgenosse Spinozas, konnte sich den Anregungen des Maimonides nicht entziehen. Daß jüdische Religion sich sehr wohl mit philosophischem Denken vertrüge, daß Nachdenken zu einem innigeren Verhältnis zu Gott führte als Nachbeten, daß Gotteserkenntnis vor das Ritual zu stellen wäre, weil sie vor Aberglauben bewahrte... 6l