Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Spinoza, ein Jude im Europa des 17. Jahrhunderts
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 57 (sequence 11)
- Language
- German
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der spanischen Inquisition gefolterten Vater nach Holland geflohen war, Prediger der portugiesischen Gemeinde in Amsterdam. Seine Predigten wurden nicht nur von Calvinisten, sondern auch von Katholiken besucht; selbst Jesuiten sah er als Hörer. Der deutsche protestantische Mystiker Abraham von Franckenberg, der Biograph Jakob Böhmes und Verfasser des kabbalistischen Buches „Raphael oder Arzt-Engel“, ließ sich von diesem jüdischen Kenner christlicher Theologie und humanistischer Bildung unterweisen und schrieb einmal: „Das wahre Licht wird von den Juden kommen; ihre Zeit ist nicht mehr fern. Von Tag zu Tag wird aus verschiedenen Gegenden Wunderbares gehört werden, das für sie eintreffen wird, und alle Inseln werden mit ihnen jauchzen.“ Auch der lernende Spinoza hatte in seiner jüdischen Schule einen seltsamen Unterrichtsgenossen, Jan Pietersz, den „Bildhauer“, einen Menoniten; neben der von Manasse ben Israel herausgegebenen hebräischen Bibel, über die der protestantische Sektierer und Laienprediger seinen Kopf neigte, lagen Bücher in griechischer, lateinischer und holländischer Sprache, aus denen er sein Wissen zusammenholte, um auf eigene Faust seinen Weg zu Gott zu suchen. Um auch an die Quellen zu gelangen, die das Volk der Bibel hütete, ordnete er sich bescheiden den Lehrbräuchen der jüdischen Schule ein und erschien stets mit einem Käppchen auf dem Haupte. Dafür war ihm von jüdischer Seite gestattet, in den religiösen Disputationen auch Argu- 57