Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Spinoza, ein Jude im Europa des 17. Jahrhunderts
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 10)
- Language
- German
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ningen, Jan de Witts Mitarbeiter und wie dieser ein Freund Spinozas, dem französischen König die Auffassung des niederländischen Volkes in folgenden Worten kundgab: „Ist es denn kein Zeichen, daß Gott die Juden auf der Welt geduldet haben will, daß er selbst sie nicht vertilgt? Und da sie doch irgendwo wohnen müssen und alle Länder sie verbannen, kann es nicht gottlos sein, daß Amsterdam sie wenigstens aufnimmt.“ Die Holländer waren stolz auf die Gedankenfreiheit, die bei ihnen herrschte, und betrachteten ihre jüdische Kolonie als eine liebevoll gepflegte Sehenswürdigkeit. Sieben Jahre nach Manasse ben Israels Tod erzählte der Dessauer Philipp von Zesen, der deutsche Sprachreiniger und Verfasser von Bibel-Romanen über Simson und Joseph, in seiner „Beschreibung der Stadt Amsterdam“, wie er im Hause eines hebräischen Sprachlehrers Nachbildungen des salomonischen Tempels, der Stiftshütte, der Königsburg und anderer israelitischer Heiligtümer besichtigte, „nach Anleitung der alten hebräischen Geschichtsbücher nicht allein beschrieben, sondern auch nach ihrer rechten und eigentlichen Gestalt sehr artig in Holz gebildet“. So sehr Rembrandt einen Landsmann und Zeitgenossen wie Hugo Grotius, den Völkerrechtler und Verkünder der Freiheit des Einzelwesens, in der Vertiefung seiner Menschenliebe übertraf, so sehr überragte auch Manasse ben Israel an Wissen und Geltung seine jüdischen Glaubensbrüder in Holland. Mit achtzehn Jahren war er, der mit seinem von 56