Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Spinoza, ein Jude im Europa des 17. Jahrhunderts
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 7)
- Language
- German
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Menschen die Bedeutung der Wunder aufzuheben schien; und mit den Behauptungen, daß es zur Seligkeit nicht durchaus notwendig wäre, Jesus Christus nach dem Fleische zu erkennen, und daß der Zusatz einiger Kirchen, Gott habe die menschliche Natur angenommen, ihm so unsinnig vorkäme, wie wenn ihm jemand sagte, „Der Kreis hätte die Natur des Quadrats angenommen“, erregte er genug Anstoß. Das Gefühl der Ehre saß dem Maranensproß tief im Blut. Seinem Schwager Samuel de Ca^eres war es längst schon verdächtig, daß westliches Wissen es dem jungen vom Unterricht in der jüdischen Schule nicht befriedigten Baruch angetan hatte, und als der Vater Michael de Spinoza starb, focht er die Erbansprüche des Sohnes mit der Begründung an, dieser wäre als schlechter Jude erbunwürdig. Bei dieser privatrechtlichen Auseinandersetzung gewann Spinoza, da es für das holländische Gericht belanglos war, ob Baruch ein gesetzestreuer Jude war oder nicht. Nach gewonnenem Prozeß verzichtete Baruch jedoch auf die ihm zufallenden materiellen Güter mit Ausnahme des väterlichen Bettes. Seine Ehre war befriedigt, indem ihm Recht wurde — über den Erbanteil war er erhaben. Auf dieses Erbe zu verzichten, wog leicht im Vergleich zu dem Erbe, das ihn von den maranischen Vätern und Vorvätern belastete und dessen er sich nicht durch einen Willensakt entäußern konnte: die Glaubensnot. Spinoza war der Durch- 53