Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Spinoza, ein Jude im Europa des 17. Jahrhunderts
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 8)
- Language
- German
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gang durch den Katholizismus erspart geblieben, aber die jüdische Religionsphilosophie des spanischen Mittelalters, die an der weit über Holland hinaus berühmten Schule „Baum des Lebens“ gelehrt wurde, bestärkte das suchende Gemüt des Jünglings in seinem Zweifel und die Nachrichten, die von der Pyrenäenhalbinsel nach Neu-Jerusalem, nach Amsterdam, kamen, weckten seine Bekennerinbrunst. Jüdischer Trieb zum „Lernen“ war in dem jungen Spinoza mächtig, aber aus Ahnungen seines maranischen Vorlebens heraus auch eine gewisse Verweltlichung dieses Triebes. Wie die Maranen in Spanien sich allen Bildungsmöglichkeiten ihrer Umwelt hingegeben hatten, so lebten auch die zum Glauben ihrer Väter zurückgekehrten Juden von Amsterdam in keinem Ghetto; freiwillig hatten sie sich um des besseren Zusammenhalts willen in einem bestimmten Stadtviertel als eine jüdische Kolonie zusammengeschlossen, aber sie standen mit ihrer niederländischen Umgebung, die ihre Disziplin bewunderte, in lebhaftem Verkehr, tauschten Waren und Wissen mit ihr aus. Der offizielle Calvinismus, die Landesreligion, vertrug sich ausgezeichnet mit den Glaubensmeinungen und Lebensformen der nach Holland eingewanderten Juden. Das gute Einvernehmen zwischen Holländern und Juden hatte politische, wirtschaftliche und theologische Gründe. In politischer Hinsicht verband sie die Abneigung gegen den gemeinsamen Feind, den Spanier; wirtschaftlich 54