Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Spinoza, ein Jude im Europa des 17. Jahrhunderts
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 6)
- Language
- German
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sehe Vergangenheit seines Geschlechtes. Sein Denken entwickelt er in der internationalen Gelehrten- Sprache. Er schafft im geistigen Raum seiner niederländischen Umgebung. Ein Zeitgenosse von Männern, deren Weltbild von der veränderten Renaissance-Gesinnung geformt worden ist. * Die Heimat der Familie d’Espinosa war Spanien, wo sie ein Maranen-Dasein geführt hatte. Erst Baruch war in Amsterdam geboren, wo sich sein Großvater Abraham und sein Vater Michael nach Stationen in Portugal und Frankreich auf der Flucht vor der Inquisition niedergelassen hatten. Dunkle Rückerinnerung mag es gewesen sein, wenn Spinoza in seinem Leben maranisches Schicksal nicht erneuern wollte. Es wäre Maranentum gewesen, hätte er ein Zeremonial ausgeübt, an dessen Verbindlichkeit er nicht mehr glaubte, hätte er auf ein Dogma geschworen, das seine Zweifel nicht beruhigte, hätte er darauf verzichtet, eine Wahrheit zu künden, deren Erkenntnis mit seiner Gottesliebe gleichbedeutend war. Ebenso hätte ihm ein Übertritt zum Christentum nur eine andere Form von Maranentum sein können. Die christliche Orthodoxie sah durch ihn die Autorität des Neuen Testaments nicht minder gefährdet als die jüdische die des Alten. Selbst ein Heinrich Oldenburg, den Spinoza durch die Feinheit seiner Sitten, auch dies ein Erbteil maranischer Vergangenheit, gewonnen hatte, empfand Besorgnis darüber, daß Spinoza für viele 52