Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Spinoza, ein Jude im Europa des 17. Jahrhunderts
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 5)
- Language
- German
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Elisa den Knaben fluchte, mit alle den Flüchen, die in dem Gesetzbuche verzeichnet sind. Verflucht sei er bei Tage und verflucht sei er bei Nacht, verflucht sei er bei seinem Ausgang und verflucht sei er bei seinem Eintreten. Möge der Herr seinen Namen unter dem Himmel vernichten und ihn zu seinem Unglück trennen von allen Stämmen Israels. Beherzigt die Warnung, daß niemand mündlich oder schriftlich mit ihm verkehren darf, niemand ihm eine Gunst erweisen, niemand unter einem Dache mit ihm verweilen, niemand auf vier Ellen in seine Nähe kommen, niemand ein von ihm verfaßtes oder geschriebenes Dokument lesen darf.“ Das versammelte Volk erschauert unter den Klängen des Schofarhornes, welche die Verkündung dieses Cherem begleiten. Ein Jahrhundert lang ist der Fluch im Judentum wirksam: erst auf dem Umwege über die deutsche Philosophie sind die Juden, die sich mit der Kultur ihrer deutschen Umwelt auseinandersetzten, zu einer Beschäftigung mit der Lehre Spinozas gekommen. Der vierundzwanzig jährige Spinoza, welcher der Zeremonie nicht beiwohnt, begnügt sich mit einer Verwahrung gegen den Bann. Er schreibt sie in spanischer Sprache, während er seine künftigen Arbeiten lateinisch abfaßt. Er legt, als ihm der Bannfluch zugestellt wird, seinen hebräischen Vornamen ab und nennt sich fortan Benedictus -— die lateinische Übersetzung seines Namens „Der Gesegnete“. Es ist der Schlußstrich unter die spani- 4* 51