Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Glückwürdigkeit und Glück
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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einandersein gewollt, versucht, begonnen wurde! Ein Reich, da Zeit und Ewigkeit, da Geschöpf und Schöpfer, Ethos und Schicksal sich treffen, da das Gute wirkenden Sinn gewinnt, da ein Gott in Güte zu der Güte des Menschen sich niederbeugt. Allein mit dem Glauben an dieses Reich gewinnen alle Theodizeen, alle Rechtfertigungen des Unbegreiflichen auf Erden allererst in Wahrheit Wert und Bedeutung im Leben. In Verbindung mit ihm gibt eine jede einen eigenen Trost und eine eigene Kraft. Aber was wären sie alle, wenn der Glaube an diesen letzten Ausgleich des Unbegreiflichen ihnen nicht zu Hilfe käme? Was sollte uns die Weisung der Demut vor dem Unbegreiflichen, mit der das Buch Hiob uns entläßt, ohne den Glauben an einen Gott des Guten, der unsere Demut verdient? Was sollte uns die Weisung des Aufblicks, die die Ethik Spinozas uns gibt, wenn nicht der Glaube uns beseelte, daß über allem Unbegreiflichen, in der ewig notwendigen Ordnung der Natur ein Reich beschlossen ist, zu dem ein Aufblick sich lohnt? Was sollte uns das Sich-ergreifenlassen, das die Chassidim lehren, wenn wir nicht glaubten, daß es ein Gott des Guten ist, der uns ergreift? Was wäre das Glück der schaffenden Tat, das die Ethik Nietzsches predigt, wenn alle unsere Werke ins Leere geschaffen wären, wenn wir 44