Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Glückwürdigkeit und Glück
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Ethos und Schicksal vollendet die Lehre Kants ihr Werk. Die Tat des Guten verheißt kein Glück. In dem Gesetz des Guten „ist nicht der mindeste Grund zu einem notwendigen Zusammenhang zwischen Sittlichkeit und der ihr proportionierten Glückseligkeit“. Gleichwohl wird „ein solcher Zusammenhang“ als notwendig postuliert, verlangt die Vernunft, daß der, der des Glückes würdig ist, auch der Glückseligkeit teilhaft werde. Eben darum verlangt sie „über alle Erfahrung eines endlichen Verstandes“ hinaus, ein Reich, in dem Natur und Sittlichkeit, Geschick und Ethos „durch einen heiligen Urheber“ in „Harmonie“ gelangen.19) 11. „Was hier wir sind, kann dort ein Gott ergänzen mit Harmonien und ewigem Lohn und Frieden“ 20) So geht der Traum der Menschen seit Urzeiten durch die Jahrtausende. Der Gedanke des Guten wandelt den Traum zur heiligen Forderung : „Was hier wir sind, soll dort ein Gott ergänzen!“ Aber auch dies „Soll“ genügt am Ende noch nicht ganz. Erst wenn der Forderung sich der Glaube 19) Immanuel Kant : Kritik der praktischen Vernunft. 1. Teil. II. Buch II. Hauptst. V. „Die Entsprechung von Vollkommenheit und Glück ist eine unbedingte Forderung der moralischen Weltordnung.“ Martin Meyer: Grundskizze zu einem -System der Ethik. Berlin 1923. S. 23. 20) Friedrich Hölderlin: An Zimmern. 41