Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Glückwürdigkeit und Glück
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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eines ungelohnten Guten bleibt. Ohne dies Leiden, ohne dies Unbegreifliche der göttlichen Schickung wären nicht allein irgendwelche einzelnen Werte des menschlichen Daseins verloren, es wäre zugleich der Grund alles menschlichen Wertseins selbst verloren. Alles Schaffen und Wirken des Menschen im Sinn eines Wertes, alles Gute auf Erden wäre nicht mehr als Sklavenarbeit um Lohn. Die Uneigennützigkeit der Gesinnung, der reine Gehorsam vor der Stimme des Guten, ohne den keine sittliche Handlung zu bestehen vermag, das Gute als Gutes wäre vernichtet. Die meisten Handlungen würden ,,aus Furcht vor göttlicher Strafe“, nur wenige „aus Hoffnung und gar keine aus Pflicht geschehen“, „ein moralischer Wert der Handlungen“ „nicht existieren“. Das Verhalten der Menschen wäre „in einen bloßen Mechanismus verwandelt“, „wo, wie im Marionettenspiel, alle gut gestikulieren, aber in den Figuren doch kein Leben“ ist.17) Allein darum also, so beschließt Kant die Elementarlehre der Kritik der praktischen Vernunft, da „der Weltregierer uns sein Dasein und seine Herrlichkeit nur mutmaßen, nicht erblicken oder klar beweisen läßt, dagegen das moralische Gesetz in uns, ohne uns etwas mit Sicherheit zu verheißen oder zu drohen, von uns uneigennützige Achtung fordert..., so kann wahrhaft sittliche, dem Gesetze unmittelbar geweihete Gesinnung stattfinden. Also 17) Immanuel Kant: Kritik der praktischen Vernunft. 1. Teil. II. Buch. II. Hauptst. IX. 39