Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Glückwürdigkeit und Glück
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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die Ethik Nietzsches, die Lehre Hölderlins, die Ethik des Messianismus gehen auf diesem Wege weiter, indem sie bewußter und deutlicher noch i m unbegreiflichen Geschick des Leidens selber einen Lebenssinn und Wert zu finden trachten. Aber immer noch, auch damit ist der Kreis der Fragen nicht geschlossen. Mag sein, daß die Unbegreiflichkeit des göttlichen Waltens, mag sein, daß das Geschick des Leidens Werte in sich birgt! Aber sind diese Werte notwendig geknüpft an die Unbegreiflichkeit Gottes? Und wenn selbst diese oder jene Werte nur auf ihrem Grunde möglich wären, würden in einer Welt der Helle und Klarheit, in einer Welt, deren Ordnung jedem allerorten ohne weiteres begreiflich wäre, in einer Welt, die kein Gutes ohne Lohn und ein Leiden allenfalls nur als Strafe kennen würde, würden in einer solchen Welt nicht andere Werte erstehen, ebenbürtig jenen, die uns hier vielleicht verloren gingen? Die Antwort auf diese Frage ist der Gegenstand einer der wesentlichsten Lehren der Ethik Kants. Erst sie zeigt uns die Notwendigkeit auf, die die Unbegreiflichkeit Gottes für das Leben des Menschen als ein Leben im Guten hat. Nicht dieser oder jener besondere Wert des menschlichen Lebens, sondern das Gute als solches besteht und kann notwendig allein bestehen, solange das Walten der göttlichen Vorsehung auf Erden dem Menschen verborgen bleibt, solange eben damit ein Leiden auf Erden, solange damit zumindest das Leiden 38