Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Glückwürdigkeit und Glück
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Schöpfung Gottes noch nicht vollendet ist, daß der siebente Tag der Schöpfung noch währt. Noch nicht vollendet, weil Gott die Vollendung mit der Hilfe des Menschen will,15) Not und Armut und Leiden sind gegeben, auf daß der Mensch sie heile, gegeben, um die Kraft der Liebe zu wecken, um Gemeinschaft zu stiften: in immer weiter und weiteren Kreisen der großen Gemeinschaft aller Kreatur entgegen, die das Bild der messianischen Zukunft als Ziel und Vollendung der Welt vor Augen stellt.16) 9. Das Buch Hiob erklärt das Leiden des Gerechten mit der Unbegreiflichkeit des göttlichen Waltens. Die Theodizee der Stoa und die Ethik Spinozas suchen die Gründe dieser Unbegreiflichkeit zu bestimmen. Sie finden zugleich, mehr als Gründe, einen geheimen Sinn und Wert an ihr, indem eben auf dem Boden des Unbegreiflichen, in der Überwindung seines Leidens im Unbegreiflichen der Mensch zu höherer Erkenntnis und höherem Leben sich erheben kann. Die Lehre der Chassidim, 15) Nach „Rabbinischer Anschauungsweise sind Not und Elend vorhanden, vor allem, damit der Gute sie heile. (Baba bathra 10a) ... ,damit Liebe und Wohlwollen Gelegenheit finden, sich zu betätigen4 (Exod. rabbah, Gap. 31.)“. Moritz La zarus: Die Ethik des Judentums. § 234. 16) Sechs Gottestage der Schöpfung sind zu Ende. Aber das Werk des siebenten Tages ist noch zu tun. Es kann allein mit der Hilfe des Menschen reifen. An uns liegt es, die Schöpfung vollendend, die Welt zum Berge Gottes zu wandeln. Isaac Breuer: Der neue Kusari. Frankfurt a/M. 37