Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Glückwürdigkeit und Glück
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3111067-3111126-3118951--7480-3119019- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
im Dunkeln, göttlich erst im tiefen Leid das Lebenslied der Welt uns tönt.“ 13) Die Ethik Nietzsches predigt das Glück des Schaffenden, der im Stoff seines Schicksals das Werk seines Lebens gestaltet. Die Ethik Hölderlins lehrt das Glück des Horchenden, dem in stiller Versenkung jedes Leid zur Quelle einer neuen heiligen Kraft gedeiht: zur Quelle eines reicheren Wissens, zur Quelle eines tieferen Gefühls, zur Quelle einer größeren Schönheit. Wo die Welt sich versagt, werden Gesänge wach. Wo die Gegenwart sich verschließt, erhebt sich Aufruf und Botschaft an die kommende Zeit. „Nicht in der Blüt und Purpurtraub Ist heilige Kraft allein; es nährt das Leben vom Leide sich .. 14) 8. Der Gedanke des Leidens als einer nährenden Kraft des menschlichen Lebens, wie die Lehre der Chassidim, die Ethik Nietzsches, die Lehre Hölderlins ihn mannigfach vertreten, eben dieser Gedanke: vom Persönlichen ins Soziale gewandt, bildet ein Grundmotiv auch der messianischen Lehre in der Ethik des Judentums. Alle Mängel und Unbegreiflichkeiten der Welt, alle Leiden auf Erden zeigen nur an, daß die 13) Friedrich Hölderlin : Hyperion. Inselausgabe. Leipzig S. 161/162. 14) Friedrich Hölderlin : Empedokles. 1. Fassung. II. Akt. 36