Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Glückwürdigkeit und Glück
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 11)
- Language
- German
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fenden gereichen alle Dinge zum Segen. Und das Leiden macht ihn nur größer. Die Zucht des Leidens — „wißt ihr nicht, daß nur diese Zucht alle Erhöhungen des Menschen bisher geschaffen hat? Jene Spannung der Seele im Unglück, welche ihr die Stärke anzüchtet,.. . ihre Empfindsamkeit und Tapferkeit im Tragen, Ausharren, Ausdeuten, Ausnützen des Unglücks, und was ihr nur je von Tiefe, Geheimnis,... Größe geschenkt worden ist: — ist es nicht ihr unter Leiden, unter der Zucht des großen Leidens geschenkt worden?“ „Im Menschen ist Geschöpf und Schöpfer vereint: im Menschen ist Stoff, Bruchstück, Überfluß,.. .Chaos; aber im Menschen ist auch Schöpfer, Bildner, Hammerhärte...“ Wie könnte der Mensch das Glück des Schöpfers gewinnen ohne das Leiden dessen, was „Geschöpf“ in ihm ist, „was geformt, gebrochen, geschmiedet, gerissen, gebrannt, geglüht, geläutert werden muß,... was notwendig leiden muß und leiden soll“?!12) 7. „Ich hatt es nie so ganz erfahren“, so heißt es im Hyperion Hölderlins, „jenes alte feste Schicksalswort, daß eine neue Seligkeit dem Herzen aufgeht, wenn es aushält und die Mitternacht des Grams durchduldet, und daß wie Nachtigallgesang 12) Friedrich Nietzsche: Jenseits von Gut und Böse. 225. 3* 35.