Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1937-01-01 · 30 (1937) · p. Seite 34

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
30 (1937)
Article
Glückwürdigkeit und Glück
Date
1937-01-01
Page
Seite 34 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3111067-3111126-3118951--7478-3119017
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

nehmen“ der Welt vor allem den Aufblick zum großen Ganzen ihrer ewigen Ordnung bedeutet, so ist anders für die Chassidim das Annehmen der Welt vor allem ein Sich-hingeben an jedes einzelne Ding, an jede einzelne Schickung, ein Insich-auf - nehmen des einzelnen eigensten Leidens selbst. Nicht über sein Leid hinaus, sondern in seinem Leiden, in seinem unbegreiflichen Schicksal, wie Gott es für ihn bestimmt, findet der Mensch sein wahres Leben. Er findet sein wahres Leben, indem er von seinem Schicksal sich ergreifen läßt, indem ihm aus seiner eigensten Not seine eigenste Tugend wird. ,,Hätte ich meine Leiden nicht, was wäre aus mir geworden!“ n) Anders in Ton und Haltung, doch von dem gleichen Grundgefühl beseelt, lehrt die Ethik Nietzsches die „Zucht“ des Leidens als Grund aller menschlichen Größe. 6. Auch die Ethik Nietzsches fordert die Liebe zum Schicksal in all seiner Unbegreiflichkeit. Aber diese Liebe des Schicksals ist ihr mehr als das fromme Hinnehmen der Chassidim, nicht ein bloßes Sich-ergreifen-lassen, sondern zugleich ein Selbstergreifen, ein eigenwilliges Gestalten, ein Schaffen im Stoff des eigenen Geschicks. Dem Schaf- X1) Das Unbegreifliche, der „Widersinn“ der Welt „ist mir gegeben, ihn mit meinem Leben auszuhalten und auszutragen“. Martin B u b e r : Deutung des Chassidismus. Berlin 1935. S. 91. 34

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.