Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Glückwürdigkeit und Glück
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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nehmen“ der Welt vor allem den Aufblick zum großen Ganzen ihrer ewigen Ordnung bedeutet, so ist anders für die Chassidim das Annehmen der Welt vor allem ein Sich-hingeben an jedes einzelne Ding, an jede einzelne Schickung, ein Insich-auf - nehmen des einzelnen eigensten Leidens selbst. Nicht über sein Leid hinaus, sondern in seinem Leiden, in seinem unbegreiflichen Schicksal, wie Gott es für ihn bestimmt, findet der Mensch sein wahres Leben. Er findet sein wahres Leben, indem er von seinem Schicksal sich ergreifen läßt, indem ihm aus seiner eigensten Not seine eigenste Tugend wird. ,,Hätte ich meine Leiden nicht, was wäre aus mir geworden!“ n) Anders in Ton und Haltung, doch von dem gleichen Grundgefühl beseelt, lehrt die Ethik Nietzsches die „Zucht“ des Leidens als Grund aller menschlichen Größe. 6. Auch die Ethik Nietzsches fordert die Liebe zum Schicksal in all seiner Unbegreiflichkeit. Aber diese Liebe des Schicksals ist ihr mehr als das fromme Hinnehmen der Chassidim, nicht ein bloßes Sich-ergreifen-lassen, sondern zugleich ein Selbstergreifen, ein eigenwilliges Gestalten, ein Schaffen im Stoff des eigenen Geschicks. Dem Schaf- X1) Das Unbegreifliche, der „Widersinn“ der Welt „ist mir gegeben, ihn mit meinem Leben auszuhalten und auszutragen“. Martin B u b e r : Deutung des Chassidismus. Berlin 1935. S. 91. 34