Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Glückwürdigkeit und Glück
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 9)
- Language
- German
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5. Einst lebte der Slotschower Maggid in großer Armut. Da fragte ihn sein Schüler: „Wie betet Ihr nur jeden Tag: gesegnet, der mir alles gewährt, wessen ich bedarf? Es fehlt Euch doch alles, was ein Mensch zum Leben braucht!“ Der Maggid aber antwortete: „Sicherlich ist, wessen ich bedarf, eben die Armut; und die ist mir gewährt.“ 9) Rabbi Michal von Lechowitz hatte einen kranken Fuß und litt alle seine Tage große Schmerzen. Einst besuchte ihn der Kobryner. Beim Mahl trank der Gast ihm zu: „Zum Leben! Zur vollkommenen Genesung!“ „Ihr seid mir doch in Wahrheit zugetan“, erwiderte Michal, „wie könnt Ihr mir dergleichen wünschen? Hätte ich meine Leiden nicht, wer weiß, was aus mir geworden wäre!“10) Die Ethik Spinozas geht darauf aus, den Menschen von den Affekten des Leidens zu befreien, indem sie ihn lehrt, alles Sein und Geschehen als notwendige Folge der göttlichen Ordnung der Natur zu begreifen. Auch hier, auch in der Meinung der Chassidim, wird die göttliche Fügung alles Seins gelehrt, auch hier wird dem Frommen die Forde-, rung gestellt, die Welt zu bejahen, wie sie ist und nichts in ihr zu verneinen, die Welt „anzunehmen^ mit all ihren Leiden, in aller Unbegreiflichkeit ihrer Schickungen. Aber wenn für Spinoza: dies „An- 9) Martin Bub er: Hundert chassidische Geschichten. Berlin 1933. S. 69/70. 10) Martin B ub e r : Hundert chassidische Geschichten. S. 70. 3 3$