Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Glückwürdigkeit und Glück
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 8)
- Language
- German
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specie aeternitatis, unter einem gewissen Gesichtspunkt der Ewigkeit gesehen, im großen Zusammenhang der ewigen Ordnung der Natur verlieren die Schickungen des Lebens alles Betrübende. Was als notwendig erkannt ist, kann nicht mehr Gegenstand irgendwelcher Verneinung sein. Im Aufblick zum Ganzen der göttlichen Natur, „seiner selbst, Gottes und der Dinge in ihrer ewigen Notwendigkeit bewußt“, gewinnt der Mensch wahre Befriedigung und Heiterkeit in seiner Seele.8) Es mag im Einzelnen immer wieder ein Unbegreifliches für ihn bleiben. Indem das Ganze des Daseins in seiner Notwendigkeit begriffen ist, verliert auch das, das als ein Einzelnes unbegreiflich bleibt, den Stachel verletzenden Schmerzes. Wenn der Grund der menschlichen Leiden in der Beschränktheit menschlicher Einsicht gegeben ist, so ist mit der Erhebung über diese Beschränktheit nun — über alle bloße Erkenntnis eines Grundes hinaus — ein Lebens ziel vor uns aufgerichtet. Und damit zugleich hat das Leiden der Menschen selbst einen Sinn gewonnen: Leiden ist gegeben, auf daß der Mensch als Erkennender über sein Leiden sich erhebe. So schließt die Theodizee der Stoa, schließt die Ethik Spinozas mit einer Sinngebung, die zunächst nicht ihre Absicht war. Eben mit der Absicht einer solchen Sinngebung des Leidens selber beginnt die Lehre der Chassidim. 8) Baruch de Spinoza: Ethik V, 42 Anm. 32