Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Glückwürdigkeit und Glück
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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stimmen, indem sie ihre Gründe aufzuzeigen sucht. Die Unbegreiflichkeit des Weltgeschehens ist Unbegreiflichkeit allein für den endlichen Verstand des Menschen, Unbegreiflichkeit allein, weil und sofern das Denken des Menschen in seiner Begrenztheit nur Einzelnes, nur Stückwerk erfaßt, das Einzelne im Zusammenhänge des Ganzen der Welt aber seiner Einsicht nicht offen zutage liegt. Was für sich genommen als ein Einzelnes ein unbegreifliches Schicksal scheint, das ist im Zusammenhänge des großen Ganzen der Welt alles andere als dies. „Was den Menschen von einem untergeordneten Gesichtspunkt aus ein Mangel zu sein dünkt“, das ist k e i n Mangel „von einem höheren Gesichtspunkt aus.“ 7) In dieser Überzeugung gibt der Stoiker C h r y - s i p p die erste philosophische Theodizee. Eben diese Überzeugung findet ihre schönste und lebendigste Entfaltung in der Ethik des Spinoza. Alles Leiden auf Erden, so ist die Lehre Spinozas, hat seinen Grund allein in einer inadäquaten Erkenntnis der Dinge. Der Weise aber, der alle Dinge und Geschehnisse des Lebens in adäquater Gestalt zu erkennen versucht, der alles, was ist und geschieht, in seiner ewigen Notwendigkeit zu begreifen trachtet, e r überwindet die Affekte des Leidens. Für ihn gibt es keinen Mangel und keine Unvollkommenheit an den Dingen mehr. Sub quadam 7) Kurt Sternberg: Das Problem des Ursprungs in der Philosophie des Altertums. Breslau 1935. S. 267. 31