Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Glückwürdigkeit und Glück
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Kann uns diese Antwort Gottes zur Rechtfertigung seines Waltens genügen? Sie gibt uns ohne Zweifel nicht mehr als eine Präzisierung, als ein Bewußtsein eben jener Schauder selbst, die uns im Anblick des Weltlaufs immer wieder ergreifen. Ein Bewußtsein um unser Gefühl! Nicht mehr! Gewiß, daß dies Bewußtsein nicht nutzlos für uns ist, daß es den Schauder mildert, indem es ihn in Demut wandelt. Aber Demut ist wenig, solange ihr nicht ein Positives ergänzend zur Seite tritt. Auf der Suche nach solcher Ergänzung treffen wir auf die Bemühungen philosophischer Theodizee, wie sie auf dem Boden der stoischen Schule erwachsen. 4. Die Theodizee der Stoa erweitert die Frage Iiiobs, warum der Gerechte leiden muß, zu der allgemeineren Frage nach dem Dasein des Leidens überhaupt. Warum Leiden und Schmerz und Mangel und Unvollkommenheit irgendwo auf Erden, wenn die Welt nicht das Werk eines blinden Zufalls, sondern, wie wir meinen, das Werk einer göttlichen Vorsehung ist? Auch auf diese allgemeinere Frage gibt es zunächst, auch für die Lehre der Stoa nur die Antwort, daß das Walten der Vorsehung unbegreiflich ist. Aber sie geht darüber hinaus, indem sie die Tatsache dieser Unbegreiflichkeit genauer zu be- 30