Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Glückwürdigkeit und Glück
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Und im Angesicht des Übermaßes seiner Leiden bricht ihr Glaube an seine Unschuld zusammen. Wie könnte ein Mensch, der solches leidet, unschuldig sein vor seinem höchsten Richter? Allein Hiob selbst bleibt fest und beharrt im Gefühl seiner Schuldlosigkeit. Er weiß seine Hände rein von Frevel, sein Herz frei von Vergehen, sein Leiden unverdient. So wird ihm die Klage um sein Geschick, die er im Angesicht der Freunde vor Gott erhebt, zur Anklage gegen Gott. „An meiner Gerechtigkeit halte ich fest und lasse sie nicht. Mein Gewissen schilt keinen meiner Tage“.4) „Der Allmächtige erwidere mir! Oder es schreibe eine Klage mein Gegner!“5) Und Gott stellt sich dem Frommen, der ehrlich mit ihm geredet hat. Er beschönigt nichts von dem, was geschehen ist, und auf die anklagende Frage Hiobs hat er nur eine, die eine Antwort, daß das Walten des Ewigen dem Menschen unbegreiflich ist.6) Hiob neigt sich in Demut. Und Gott wendet sein Leiden aufs neue zum Glück. 4) Hiob 27, 6. 5) Hiob 31, 35. 6) Es gibt „für den Menschen schlechthin unlösbare Rätsel“; Gott ist „nicht nur der Allmächtige und Allweise, sondern auch der Unverständliche, Unbegreifliche, Geheimnisvolle, der Irrationale, womöglich also auch der nach Menschenbegriffen widersinnig und ungerecht Handelnde.“ „Mysterium mirum und paradoxon“! Ernst Sellin: Das Hiobproblem. Berlin 1931. S. 16. Rudolf Otto: Das Heilige. Gotha 1929. S. 105. 29