Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 30 (1937)
- Article
- Glückwürdigkeit und Glück
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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und hatte Mitleid mit meiner Schwester. Am Abend führten sie Jakob die Schwester zu, — da gab ich ihr alle Zeichen, die ich mit Jakob verabredet hatte, auf daß er s i e für mich hielte. So erwies ich ihr Liebes und ließ nicht zu, daß sie in Schande und Beschämung käme. Ich! Ein Geschöpf aus Fleisch und Blut, Staub und Asche! Und du? Du, der König, der ewig bleibt und lebt, du siehst mit an, daß meine Kinder ins Elend gehen, du siehst mit an, daß ihr Heiligtum zerstört wird und ihre Feinde sie vertreiben? Du siehst es mit an und gibst es zu?“ *) In dieser Frage Rahels ist mit äußerster Prägnanz eines jener Probleme des Ethos umschrieben, die immer wieder das Nachdenken des Menschen verlangen. 2. Immer wieder stehen Schwestern und Brüder, stehen Väter und Mütter und Kinder, stehen Liebende unter den Menschen auf und tun Werke der Liebe. Immer wieder geben Menschen sich hin im Dienst einer heiligen Sache. Immer wieder ergreift den Menschen Mitleid mit dem Leidenden, sucht er den Armen zu stützen, dem Kranken und Bedrückten zu helfen. Und wo er nicht helfen kann, füllt sich sein Auge mit Tränen. Er aber, ,,der König, der ewig bleibt und lebt“, er steht am Lager der Kranken, geht durch die *) Midrasch Echa rabbati. Einleitung der Schriftgelehrten. 26