Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Das jüdische Museum - eine Kulturforderung
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 213 (sequence 4)
- Language
- German
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werfen aller Tradition, die sich nicht nur im Religiösen auswirkt. Das jüdische Haus, die Familie, der Gemeinschaftssinn, das Gotteshaus sind nur noch selten lebendige Stätten des alten Geistes. Man sucht häufig ohne Verbindung mit dem Alten Fremdes aufzunehmen und fühlt sich, da die Brücken mit. der Vergangenheit abgebrochen sind, unsicher in seiner jüdischen Existenz. Ein nicht unwesentlicher Faktor ist die Beziehungslosigkeit zu den Kulturdokumenten, die mangelnde Kenntnis einer reichen und inhaltsvollen Vergangenheit. Die Geschichte systematischer Sammlungen jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler ist noch sehr jungen Datums. Im Sommer 1874 wurde in Berlin eine Zeitschrift „Margarita“ begründet, die es allerdings nicht über die erste Nummer brachte. In dem Vorwort finden wir zum ersten Mal das Wort „Kunst“ im Zusammenhang mit der Geschichte der Gemeinden, des Rechts, der Literatur und Wissenschaft erwähnt. Es blieb vorerst bei dem Wunsche, jüdische Kunst zu erforschen. Die Zeit scheint damals hierfür noch nicht reif gewesen zu sein. Erst die in London im Jahre 1887 veranstaltete Anglo-Jewish Exhibition brachte das Interesse in Fluß. Es war das erste Mal, daß man in einer großen Ausstellung neben Büchern und schriftlichen wie gedruckten Dokumenten Kultgeräte der verschiedensten Art aus Synagogen und Privathäusern zeigte. Von nun an begann auch die Oeffentlich- 213