Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Das Licht verlöscht
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 203 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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mit welchen Schmerzen und Gefahren eine Mutter ihr Kind zur Welt bringt, in welcher Mühsal und Opferbereitschaft Eltern ihre Knaben großziehen. Und nun werden Tag um Tag etwa zehntausend Mütter um die Frucht ihrer Leiden, um den Inhalt ihres Lebens betrogen. Wenn es so ist, wie Sie, liebe Sofie, erzählen, daß der Krieg zehntausend Menschenleben im Tag verzehrt, dann will ich den Jammer gar nicht ausdenken. Und der Krieg beginnt im kleinen: Eifersucht im Beruf, Neid und Habsucht, Feindschaft aus nationalen Gründen, Gegensätze durch die Religion, das alles reibt sich und zündet, bis es lichterloh brennt. Ich kenne nur den Menschen als solchen, liebe und verehre den tüchtigen und braven und schiebe den verächtlichen beiseite. Es müßten es alle so halten wie Sie, liebe Sofie, meine Bertele und ich. Wir haben alles vergessen, was Menschen von Menschen scheidet, wir haben all den Plunder beiseitegeworfen und leben unendlich glücklich. Gell, mein Wybeli.“ Der breitschulterige, hochgebaute Mann zog das zarte Weiblein an sich und sah voll Verwunderung ihre Augen tränengefeuchtet. In seinem kräftigen Gesichte zuckte es besorgt. „Ja, die Zeit ist aufwühlend und beweinenswert, und darum sollen wir freien Menschen Zusammenhalten und dem Leben neuen Inhalt, neue Formen geben. Die frühere Zeit gestaltete sich ihre eigene Art, die Vergangenheit soll uns nicht anhaften oder stören, wir gehen in eine neue Zeit 203