Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Das Licht verlöscht
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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und Aermsten unter den Besuchern, Wir fühlten uns vereinigt in der Festesfreude, wir waren wirklich eine Familie." Berta hatte erwartet, daß Sofie ihr zustimmen, ihre Erinnerung bereichern werde, die Freundin jedoch saß in sich gekehrt, verschlossen, fast abweisend. Ihr Mann hatte den Buben eine kleine Menorah geschickt; das war mehr als Duldung. Wirkliche Neigung für nationale Feste des Judentums, und das war ein Ersatz für manche Fehler, die sich im Zusammenleben zeigten, die, wie sie meinte, jüdischen Ehemännern weniger anhaftete. Sie kannte ja nur die seelisch vornehme Auslese. Und sie trug vieles schweigend, weil er ihr und seiner Kinder Judentum stützte. Sie hatte es der Freundin verborgen, warum sie am nächsten Tag abreisen wollte. Der erste Chanukkatag war es, an dem sie den Buben die Lichter entzünden, vom größeren die Makkabäersage hören wollte. Die Freundin durfte es nicht ahnen, sollte nicht schmerzhaft an die Stellung zu den eigenen Kindern gemahnt werden, darum schwieg sie in drückender Stille, Aber Berta zerriß das lastende Schweigen; es war, als teile sich ihr der Freundin Gedankengang mit. Sie sprang auf und rief: ,,Sofie, o Sofie, ich meine . . . mir ist, als wäre . , , o bestimmt, die Chanukkazeit ist da," Sie schlug die Hände ineinander. „O mein Gott, mein Gott, welch ein Leben, welch schwieriges Dasein!" Sofie schwieg 199