Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Das Licht verlöscht
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 200 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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noch immer. Da rannte Berta die Treppe hinunter und kam nach einigen Minuten keuchend zurück. „O Sofie, morgen, ja morgen wird das erste Licht angezündet, morgen werden sie daheim Chanukka feiern.“ Sie hatte ein kleines Büchlein in der Hand. „Hier, schau in den Kalender: Festtage der Protestanten, der Katholiken und hier Israelitische Feiertage.“ Nun blieb Sofie nichts anderes übrig als zu sprechen und zu gestehen, daß sie morgen nach Bern zurückfahre, um mit den Kindern das Fest zu feiern. Dagegen stemmte sich die kleine Frau mit ungeahnter Kraft, „Du mußt bei mir bleiben! Ich bitte dich, verlasse mich nicht. Ich will mit dir das Fest feiern, ich muß die Lichter leuchten sehen!“ Sie umhalste die Freundin, küßte sie zärtlich und bat so innig, voll peinigender Gier, daß Sofie kaum Rat wußte. „Meine Buben erwarten mich,“ „Wir telefonieren in die Pension, daß du erst übermorgen kommen wirst. Den kleinen Knaben wird es gleich sein, an welchem Tage ihnen das erste Lichtlein entzündet wird, mir aber ist es ein Stück Leben, wieder einmal Chanukka zu feiern, mit den Worten des Segens in die Vergangenheit zu tauchen. Und alle, alle sollen mir lebendig werden, die alten Freunde und . . .“ Sofie drückte die Freundin an sich, und eng umschlungen weinten sie, befreiten sich vom geheimen Druck und beruhigten einander, daß ihr Schluchzen nicht nach außen dringe, denn um 200