Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Das Licht verlöscht
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Diesem Gefühl gab auch Sofie im Gespräch mit Berta Ausdruck, als sie abends in dem Fremdenzimmerchen saßen, das die Freundin beherbergte. Die Traulichkeit des Beisammenseins, die einbrechende Dämmerung, sie ermunterten zu rückhaltloser Aussprache. Berta wußte nur eine Klage: die Wirtschaft zog ihr alle Kraft aus dem Körper, nein, auch aus der Seele. ,,Ich muß mit einem Mädchen das Haus in Ordnung halten, für die Küche sorgen und die Kinder betreuen. Die Gehilfin, nur zur derben Arbeit befähigt, soll den Garten bearbeiten, eine Kuh und zwei Ziegen pflegen und den Hühnerhof versorgen. Man ernährt sich möglichst aus eigener Kraft wie die Nachbarn ringsum, und ich wollte und durfte nicht zurückstehen, dem Hause nicht weniger bieten als heimische Frauen, und diese werden bis hoch hinauf als Arbeitsgenossen des Mannes betrachtet, vielfach nur als solche.“ „Aber du bietest doch auch anderes, verstehst es doch, eine geistige Kameradin zu sein und bist eine gute Bakteriologin, die dem Manne in seinem Berufe viel nützen kann.“ „Auch diese Fähigkeit wird ausgenützt. Hie und da gibt es Blutuntersuchungen und andere Feststellungen mit Hilfe des Mikroskopes. Ja, ich glaube, daß mein Mann durch diese Möglichkeiten wissenschaftlich exakter Diagnose so rasch die beste Praxis in der Umgebung erworben hat. Er hat diese meine Fähigkeit von jeher anerkannt, 13* 195