Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Das Licht verlöscht
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 194 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3111067-3111124-3118692--7383-3118914- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Alsbald kam auch Doktor Bernklau heim, der seine Vormittagbesuche rascher beendigt hatte als sonst, da es ihn drängte, die Freundin seiner Frau zu begrüßen und ihr in seinem Heim zu beweisen, daß Berta in vollem Behagen und bewußtem Glücke lebe. Er war vom Jüngling, dessen Sofie sich nach und nach erinnerte, zum Manne gereift, vom fragwürdigen Studenten zum vielbeschäftigten und angesehenen Arzt emporgekommen, es wuchsen ihnen zwei gesunde, hübsche Kinder heran, das Haus war wohlig anzusehen, die Räume reichlich ausgestattet. Berta hatte wohl allen Grund, zufrieden zu sein. Und schließlich betonte er den vielgeneideten Vorzug, zu einer Zeit, da die Welt in Kriegsbränden loderte, in der friedlichen Schweiz leben zu dürfen. Die großen Schweizer Städte fühlten immerhin einiges von der Kriegsnot. Die wichtigsten Lebensmittel waren staatlich eingeteilt, und das gedrückte Wesen der Fremden, die kranken Kriegsteilnehmer aller Nationen, Flüchtlinge und Vertriebene störten das Behagen. In B ... dorf dagegen herrschte voller Friede. Die Ernte war längst eingebracht und zu gutem Preise verkauft, das Obst lag wohlgeordnet in den Speichern oder zu Most gepreßt in den Kellern, das Heu war gut gediehen, und sogar Kartoffeln, die sonst aus Deutschland gebracht wurden, hatte man der Wiesenerde abgewonnen: Friede, Freude und Wohlbehagen beherrschten die Gemüter. 194