Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Das Licht verlöscht
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 196 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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denn er wußte, daß ich in Zürich von der karg belohnten bakteriologischen Arbeit mein Leben fristete. Er ist anerkennend voll Fürsorge, liebt sein Haus und die kleine Familie über alles — und doch, ich muß mich hüten, undankbar zu sein/* Und nun kamen die Freundinnen ins Gespräch über ihre Vergangenheit, über die Tage von einst. Sie waren bei sozialer Arbeit für die armen Volksgenossen der Großstadt Wien in nahe Berührung gekommen. Sie reichten den Hörern der Halle, die der Gründer, der bekannte Anglist Leo Kellner nach dem englischen Philantropen „Toynbee“ benannt hatte, Tee und Brötchen, unterrichteten Kinder und Erwachsene, leiteten Spiele und halfen Licht in das Düster der Brüder und Schwestern zu bringen, die am Rande der Großstadt, abseits von innerem und äußerem Reichtum der lachenden Musikstadt, ihr karges Dasein hinschleppten. Um jene Zeit zog ein belebender Geist durch die schleichende Welt der ärmeren Stadtjuden, ihre Seelen wurden dem Licht zugewendet, ihre verdüsterten Gemüter mit Zuversicht, ja mit Begeisterung erfüllt. Und bei dieser Arbeit standen Sofie und Berta in der ersten Reihe. Und jetzt?! Doktor Bernklau war auf seinem Abendgang zü den Patienten. Es blieb Zeit, von der Vergangenheit weiterzusprechen. Sofie war in Wien geboren, Tochter einer frommen, kinderreichen Familie. Des Tages Arbeit zahlte das Studium 196