Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Das Licht verlöscht
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 193 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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des Geschickes der Freundin zu freuen und nichts zu sprechen, was ihrem Glücke, ihrem Behagen störend entgegentreten könnte. Die Freundin erwartete sie und führte sie einen weiten Weg durch Straßen und Plätze, stolz die Schönheiten ihrer Umgebung auf weisend. Wuchtige alte Häuser mit weit vorspringenden Dächern, Wahrzeichen frühzeitiger Berner Bauweise, wechselten mit neuen Bauten, die sich passend dem Gesamtbilde einfügten. Sie wies der Freundin den ragenden Bau der neuen Schule mit den Worten: „Das Wahrzeichen der Schweiz: Kultur und Wissen“. Und wahrlich, man konnte sich in diesem ländlichen Städtlein wohlfühlen, das in seinem Zusammenhang von sauberen Heimen und wohlgepflegten Gärten, in seiner friedlichen Ruhe und Stille ein neidenswertes Asyl in dieser schreckensvollen Zeit bot. In dem wohnlichen Heim tollten zwei liebliche Kinder umher. Der zweijährige Knabe derb, rotwangig, das vierjährige Mädchen zart und blond, der Mutter ähnlich. Sie hatten die neue Tante mit einem treuherzigen „Grüessi“ empfangen und umspielten den lieben Gast voll Eifer, bemüht, sie durch ihr trauliches Getue zu unterhalten. Die fremde Tante konnte freilich nicht alles verstehen, denn die Kinder sprachen Berndütsch, das selbst in den kultiviertesten Häusern stolz als besondere Sprache gepflegt wird und nicht als Dialekt gilt. 13 193