Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Das Licht verlöscht
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 189 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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christlichen Kollegen, geheiratet. Sofiens Gatte wurde, als er den Doktor der Staatswissenschaften erarbeitet hatte, von einer Schweizer Bankengruppe nach Berlin geschickt, dort ihre Interessen zu vertreten, der Freund Bertas suchte als praktischer Arzt in einer kleineren Stadt des Kantons Bern sein Brot. Eine erzählte der anderen ihr Frauenschicksal. Sofiens Mann war anschmiegender Natur, weich und nachgiebig, daher es ihr gelungen war zu erbitten, daß ihre Buben jüdisch erzogen werden. Berta horchte hoch auf, schwieg eine Weile und sagte dann: „Ich glaube nicht, daß mein Mann es je gestatten würde, nicht aus Gegensatz zum Judentum, sondern weil bei ihm Freidenkertum und Modernismus tief eingewurzelt sind, aber auch wenn er wollte, wäre es praktisch unausführbar, denn bei uns weit herum wohnen keine Juden, und außerdem würde es Aergernis erregen, was einen Arzt, der auf das Wohlwollen seiner Umgebung angewiesen ist, schwer schädigen könnte. Schon daß er eine Ausländerin geheiratet hat, mag ihm abträglich sein . . Dann kam es zag und beklommen aus ihrem Munde: „Auch wir haben zwei Kinder, einen Buben und ein Mädel . . nun stockte ihre Rede, das Blut stieg ihr ins Gesicht, färbte die Wangen und feuchtete die Augen. Sofie ahnte, was nun folgen mußte, und wollte es nicht hören. Warum der Freundin weh tun, die wiedergefunden zu haben soviel Freude bedeutete? Der