Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Adolphe Crémieux
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 172 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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daß Napoleon jenes Blatt in seinem Buche Überdrucken ließ. Daß Cremieux aber nicht nur, wie wenigen, das oratorische Pathos, sondern auch schlagfertiger Witz als Waffe im Kampfe für die jüdische Sache zu Gebote stand, zeigt seine Antwort, als ein Fanatiker ihm das ganze Sündenregister der Juden vorhielt und zum Schlüsse triumphierend ausrief: „Aber endlich werden Sie das doch nicht leugnen, daß Ihr unseren Gott gekreuzigt habt?“ Gegen sein besseres Wissen, aber überzeugt, daß an der Beschränktheit seines Partners alle historischen und logischen Argumente scheitern müßten, erwiderte Cremieux: „Ich werde mich hüten, es zu leugnen. Allein wir ermächtigen Euch, auch unseren Gott, sobald Ihr ihn irgendwo unterkriegt, in gleicher Weise jämmerlich zu kreuzigen, damit diese Rechnung endlich einmal quitt wird.“ Mit Napoleon in Berührung zu kommen, vermied Cremieux geflissentlich. Nur eine Macht war imstande, diesen Widerwillen zu überwinden: die Liebe zur gerechten Sache seiner Brüder. Im Jahre 1859 entsetzte sich die gesamte zivilisierte Welt über den Raub des Knaben Mortara in Bologna, der gewaltsam entführt und getauft und den Eltern vorenthalten wurde. Alle Proteste der Staatsoberhäupter prallten an dem Widerstande des Vatikans ab, Cremieux setzte es bei Napoleon durch, daß dieser ebenso wie Kaiser 172