Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Adolphe Crémieux
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 173 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Franz Josef durch einen Privatbrief sich, allerdings vergeblich, für den Unglücklichen beim Papste verwendete. Kurz vorher waren in Marokko furchtbare Judenhetzen ausgebrochen. Eine Abordnung der Verfolgten erschien in Paris, den Kaiser um Hilfe zu bitten. Wer sollte sie anführen? Der einzige geeignete Fürsprecher war Cremieux. Es kostete ihn einen schweren Kampf, aber es mußte sein. Und Napoleon sagte ihm sein Einschreiten zu. Wie in einer Art Paroxysmus stürzte Cremieux aus dem Kabinett des Kaisers und schrie fortwährend: „Je l’ai vu, je Tai vu" (Ich habe ihn gesehen, ich habe ihn gesehen), als müßte er sich selbst ein Unrecht abbitten. Etwa acht Jahre später trieb die Not seiner Brüder Cremieux, den aufrechten Mann, den Republikaner, der gegen den Staatsstreich protestiert hatte, wieder als Bittsteller an die Stufen des Thrones. 1866 weilte Cremieux in einer geschäftlichen Angelegenheit in Konstantinopel, als ihn die Nachricht von den Greueln erreichte, die in Rumänien an den Juden verübt wurden. Sofort eilte er, der Siebzigjährige, nach Bukarest. Der König und die Minister versprachen ihm rücksichtsloses Einschreiten gegen die Urheber der Verbrechen. In der Kammer wurde er mit stürmischer Begeisterung begrüßt. Er mußte auf allgemeines Drängen das Wort ergreifen, und er sagte u. a.: „Zum Schlüsse, wollen Sie ein Wort hören, das Ihre 173