Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Adolphe Crémieux
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Dubec ersuchen öder den Herrn Finanzminister/* Das war eine feine Ironie. Dubec, der selbst Jude war, hatte in der Kammer überhaupt noch nie das Wort ergriffen, und Finanzminister war damals Achille F o u 1 d, auch ein Jude, der sich aber, was Heine ihm besonders ankreidete, jüdischer Angelegenheiten niemals annahm. Achille Fould war so unmerklich Jude wie er später Christ wurde. So unmerklich, daß nach seinem Tode Napoleon III. den Grand-Rabbin Isidore um die Trauerrede ersuchen ließ, ohne zu ahnen, daß Fould in aller Stille sich für den stärkeren Glauben hatte gewinnen lassen. Dieser satirische Ausfall Cremieux' gegen die beiden Juden im Kabinett und in der Kammer löste auf allen Seiten des Hauses beifälliges Lachen aus. Sein Antrag zugunsten der französischen Rabbiner wurde angenommen. Kurz darauf entwarf Cremieux als Präsident des Zentralkonsistoriums ein Projekt über eine bessere Vorbildung der Rabbiner und Regelmäßigkeit der Predigten. Dieser Entwurf wurde 1844 rechtskräftig und ist bis 1905 in Kraft geblieben. Die freisinnige Haltung Frankreichs in der politischen Behandlung der Juden stand damals in Europa ganz einzig da. In den meisten Ländern, selbst England nicht ausgenommen, war die Emanzipation der Juden noch nicht durchgeführt. In Oesterreich hatte sie noch nicht einmal angefangen. Französische Juden hatten außerhalb Frank- IÖ2