Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Adolphe Crémieux
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 160 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Osten Frankreichs, im Elsaß, lebte sie freilich noch fast 20 Jahre fort. Im Jahre 1842 schrieb der Gerichtshof in Saveme (Zabern) einem Juden einen solchen Eid vor. Er sollte im Tempel unter Assistenz des Rabbiners und in Gegenwart des Friedensrichters abgelegt werden. Am angesetzten Termin fand aber der Friedensrichter den Tempel geschlossen. Der Rabbiner — es war der spätere Grandrabbin von Frankreich, Isidore — wurde unter Anklage gestellt. Auch er wählte Cremieux zu seinem Verteidiger. In seiner Rede führte Cremieux alle die Juden an, die sich in den letzten 43 Jahren um das Vaterland verdient gemacht hatten, und insbesondere die Rachel, die die großen klassischen Dramatiker Frankreichs für die französische Bühne wiedererobert hatte. Auf den Ruhm der Rachel durfte sich Cremieux um so eher berufen, als er es gewesen war, der ihre ersten Gehversuche in der Kunst geleitet und sie den Vortrag der Marseillaise gelehrt, mit der sie die Herzen im Sturm gewann. Allein der Gerichtshof von Saveme — es war eben der Osten Frankreichs, die Nähe Deutschlands — griff zu derselben Ausflucht wie 1827 das Tribunal von Metz. Er erklärte sich für nicht zuständig. Erst im Jahre 1846, nachdem zwei Jahre früher auch der Straßburger Advokat Martin in einer an den Kassationshof gerichteten Denkschrift die Unmoral und VerfassungsWidrigkeit des Judeneides dargetan hatte, wurde von dieser höch- 160