Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Adolphe Crémieux
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Am 6. und 8. Januar 1827 sollte Cremieux einen Juden verteidigen, der die Eidesleistung more judaico im Tempel vor dem Rabbiner verweigert hatte. Cremieux ruft den Richtern zu; „Wie kann von einer Gleichheit aller vor dem Gesetze die Rede sein, die doch Frankreichs Ruhm bildet, wenn die Juden um ihres Glaubens willen öffentlich wie privilegierte Meineidige behandelt werden? Und wie kann die Assistenz eines Geistlichen meinem Eide Kraft und Geltung geben, wenn mein Gewissen und mein Ehrgefühl, mein Wahrheitssinn sie mir zu geben nicht imstande sind? So behandelt man Menschen, die nicht wie jener Spartaner die besten Bürger sehen, sondern selbst die besten Bürger sein wollen!“ Cremieux gewann den Prozeß. Wenige Monate später hatte er vor einem auswärtigen Gerichtshöfe gegen dasselbe Ueberbleibsel mittelalterlicher Barbarei die Waffe zu führen. Diesmal appellierte Cremieux an den Gerechtigkeitssinn der Richter. „Warum“, so argumentiert er, „sollen die Juden, die im Kriege ebenso gut wie ihre Landsleute als gute Franzosen mit ihrem Blute die Lorbeeren des Schlachtfeldes dem französischen Vaterland erringen helfen, warum sollen sie nicht auch im Frieden an den nicht minder rühmlichen Eroberungen der Aufklärung, den Errungenschaften der Menschlichkeit teilnehmen? Sollen zelotische Bekenner einer Religion, die doch auf der unseren sich aufbaut, das 158