Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Jakob Loewenberg
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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sich die Hand zu reichen zum stärkenden brüderlichen Bund? Anderen Anschauungen entgegen verlegt das Judentum die goldene Zeit der Menschheit nicht in die Vergangenheit, sondern in die Zukunft, und wir hoffen noch immer gläubig auf die Zeit der Erlösung, da die Menschen in Frieden und Eintracht, in Gerechtigkeit und Liebe, in Erkenntnis und Einsicht beieinander wohnen. Diesen Glauben an die Zukunft der Menschheit hoch zu halten ist die schönste Aufgabe des Judentums, zu seiner Ausbreitung beizutragen, die Hoffnung der Verwirklichung näher zu bringen, das edelste Ziel der Erziehung,“ Es gab eine Zeit, da Loewenberg das Trennende unterschätzte, an eine volle Gleichsetzung glaubte. In dieser Zeit stand ihm Gabriel Riesser, über den er 1897 einen Vortrag hielt, besonders nahe. Die geistige Freiheit dem überlieferten Gesetz gegenüber hat er sich alle Tage seines Lebens gewahrt, auch wenn er aus Erinnerung und Tradition so viele alte Bräuche hielt. Je mehr die Juden bekämpft wurden, um so stärker stellte er sich als Jude in den Kampf, Und in der schmerzlichen Gewißheit des steigendem Antisemitismus nach dem verlorenen Kriege nannte er den Novellenband, der nach dem Krieg erschien: ,,Der gelbe Fleck“, Als nach dem Tode Kaiser Friedrich III., auf den Loewenberg eine Gedächtnisrede hielt, die Hoffnungen auf ein freiheitliches Deutschland sanken, eine neue Woge des Antisemitismus über 146.