Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Jakob Loewenberg
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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Darum hielt er es in der jüdischen Erziehung auch am wichtigsten, Begeisterung zu wecken für die Geschichte der Juden und für das Buch der Bücher. Was er bereits 1896 über den jüdischen Religionsufiterricht in der „Freien israel. Vereinigung“ (Stenogr. Bericht über die Tagung vom 22. Juni 1896 S. 31) sagte, kennzeichnet seine Stellung am besten: Auf die Frage, warum der jüdische Religionsunterricht so wenig Erfolg bei den meisten Schülern habe, antwortet er: „Die weltgeschichtliche Bedeutung des Judentums, die gewaltige Größe des Buches der Bücher, dessen Lehren die Grundlagen unserer Kultur bilden, die erhabene Ethik in Bibel und Talmud, ihre mächtig ergreifende Poesie — das sind leuchtende Sterne, die am Himmel ihrer Seele nie auf gegangen. Hat es ihre junge Brust je mit freudigem Stolze erfüllt, daß, da noch ringsum Dunkelheit und Finsternis auf den Nationen lag, von Zion aus Licht und Lehre ging? Hat ihr Herz je gezittert bei Jeremias Klagen, ihre Seele je gejauchzt bei Jesaias Verheißungen für die Menschheit? Wissen sie, daß wir mit allem unserm Fortschritt noch heute einen weiten Weg haben bis zu jener Menschheit, die die Schwerter zu Pflugscharen und die Lanzen zu Rebmessern umwandelt, deren Völker in Frieden miteinander leben und den Krieg nicht mehr lernen? Und erst unsere Geschichte, unsere Jahrtausende alte Geschichte mit der Fülle ihrer Ereig- 44