Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Jakob Loewenberg
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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III. Jakob Loewenberg — Deutscher und Jude. Deutsch war die Sprache, die er sprach, deutsch die Heimat, mit der er verwurzelt — und doch war er Jude mit jeder Faser seines Herzens. Kein Zwiespalt drückte ihn. Was er in der Jugend gelebt, das deutsche Dorf und die jüdische Familie waren zu einem starken Strom des Gefühls geworden. Die Liebe zur Familie, die tiefe Pietät, mit der er das Andenken der Eltern heiligte, war mitbestimmend für sein Verhältnis zum Judentum. Jakob Loewenberg war eine religiöse Natur, dessen Frömmigkeit sich wohl vom überlieferten Gesetz befreien konnte, dem aber überall das Göttliche nah war. Sein Gottesgefühl strömte wie das des Goethischen Ganymed aus jedem Halm und jedem Wesen. „Das Göttliche, das Ahnungsvolle, das Sehnsuchtsvolle, das Streben zum Höheren und Höchsten, das Abhängigkeitsgefühl, das Verbundensein mit der Natur und doch das Freisein von ihr — das alles ist mir Religion. Worte, wirst Du vielleicht sagen, aber wer kann denn in bloße Begriffe fassen, was in den höchsten und besten Augenblicken durch eines Menschen Seele zieht? Weil sich aber alles das, was ich als Religion empfinde, als Göttliches, als Menschliches, am reinsten in Israels Propheten, in Israels Lehre, in Israels Geschichte offenbart hat, so steht mir das Judentum so hoch, daß ich mich freudig zu ihm bekenne, — 139