Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Jakob Loewenberg
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Vor des Ewigen „Gericht“ fragt die Stimme: „Und kamst du selber auch zu deinem Recht? Du senkst das Haupt? Du schweigst? Du warst nur Knecht? So lebtest du in einem eiteln Wahn, So hast du keinem je genug getan/4 (Abendleuchten, 64.) und Eulenspiegel (Abendleuchten, 59) ruft ihm zu: „Doch du, wen narrst denn du? Nur dich allein.“ Immer wieder tauchen solche Stimmungen in seinen Tagebüchern auf, und manchesmal spielt sein Geist mit dem Gedanken des Todes. Aber stets bricht siegreich seine Lebenskraft durch: eine Blume, ein Freundesgruß, eine Wanderung bringen neuen Mut. Wie oft riß er sich los, um in wenigen Wandertagen sich neue Frische zu holen. Und kam dann froh wieder, ein Gedicht, eine kurze Erzählung heimbringend. In den letzten Jahren schwanden — zunächst kaum merklich — die körperlichen Kräfte. Geistig fühlte er sich frisch, aber er wurde leicht müde. Vor allem das Schreiben strengte ihn an — zuletzt versagte die rechte Hand fast völlig, ganz wie bei seinem Vater, der in der letzten Zeit auch nicht mehr schreiben konnte. Unvollendet blieb der „Süßkind von Trimberg“ liegen. Noch einige stille Freuden — die Enthüllung des Hamburger Heine - 137