Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Jakob Loewenberg
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 133 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Im Kummer um den verlorenen Krieg bricht doch die Freude des alten Freiheitskämpfers durch, daß die deutsche Republik die freieste der Welt werde, und der Schmerz um den Versailler Frieden nimmt nicht die Hoffnung auf deutsche Zukunft. „6. Februar 19. Deutsche Nationalversammlung in Weimar! Trotz allem und allem das Herz hüpft mir im Leibe, ich jauchze, bete und hoffe. In Weimar! Ihr Geister unserer Großen segnet die Kleinen, die heute in Eurer Lebensstätte sich versammeln, laßt uns ein Deutschland erstehen, so geistig groß, so menschlich machtvoll, so rein und stark, daß alle Völker, wie wir zu Euch, in Ehrfurcht zu ihm aufblicken.“ Die Nachkriegsjahre brachten Loewenberg viele Sorgen. Was er sich für sein Alter in schwerer Arbeit erspart, war dahingeschwunden. Die Schule erhielt in der Inflation Staatszuschüsse, und als er wieder von vorne anfing, drohte der Abbau der Privatschulen seinem Werke. Ueber der Tagesarbeit, dem Rechnen und Rechnen trat das Tagebuch zurück. Am Vorabend des 67. Geburtstages schreibt er (Tg. 8. 3. 23); ,,Zu mir selber bin ich nicht gekommen, und aus mir selber hab ich nichts geholt,“ Schwerer als die äußere Not war der seelische Kummer. Er sah einen Antisemitismus hochkommen, wie er ihn noch nicht erlebt hatte; schon länger hatte er geahnt, daß seine Hoffnung, daß der Krieg den Antisemitismus überwinde, eitel ge- 133