Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Jakob Loewenberg
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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wesen. Er sah, wie einer der besten Freunde, Otto Ernst, sich mehr und mehr löste und zu den Gegnern ging, die er einst so kühn befehdet. Es traf Loewenberg furchtbar, daß er mit den jüdischen Freunden — Leon Goldschmidt und Max Levor — sich von Otto Ernst trennen mußte. Erst den toten Freund sah er wieder. „Nun ist er tot, dem ich so oft und so gern die Hand gedrückt, der Mund auf immer verstummt, der übersprudelte von Witz und Humor, die Stimme verhallt, der ich so gern gelauscht. — Wenn man vergessen könnte, wie er sich von uns geschieden, würde ich weinen, jetzt trauere ich um ihn. Er war mein Freund.“ (Tg. 6. März 1926.) Am 9. März wurde Otto Ernst begraben, es war Loewenbergs 70. Geburtstag. Dieser Tag zeigte Jakob Loewenberg, wie er sich in den vierzig Jahren in Hamburg durchgesetzt hatte, daß er zu einem wichtigen Kulturfaktor der Stadt geworden war — wie ihn das Glückwunschschreiben des Senats nannte. Es lag ein dankbares Strahlen auf seinem Gesicht, als dem jüdischen Dorf jungen von einst — Jakob von Tudorf hatten die Schulkameraden ihn genannt — Senat und Bürgerschaft die Glückwünsche der freien und Hansestadt brachten. Ein Tag glückhafter Ernte. Vom frühen Morgen an, als sein Enkel als erster Gratulant erschien, kamen Freunde und Schüler. Eine besondere Freude machten ihm seine ehemaligen Schülerinnen, die 134