Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Jakob Loewenberg
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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ihm geschlagen, war vernarbt. Da lernte er 1894 im Hause seines Freundes Lucas — „der beste, gütigste, der reinste Mensch, den ich kenne“ (Tg. 12. 6. 1920) — ein junges Mädel kennen, Jenny Stern aus Siegen: Ich schau Dich an — und namenloses Weh Und namenloses Glück mich jäh durchglutet, Schneewittchen, rot wie Blut und weiß wie Schnee Und schwarz von Deiner Haare Nacht umflutet. (Neue Gedichte, 85.) Im Frühling 1895 (3. 4. 95) führte er die Neunzehnjährige heim. Die ersten Ehejahre waren nicht leicht, der Altersunterschied war groß, wirtschaftliche Sorgen drückten schwer. Jenny Loewenberg war eine starke Persönlichkeit von scharfem Verstand und sensiblem Empfinden. Es lag eine tiefe Melancholie über ihrem Wesen. Durch alles Leiden schimmerte immer der Glanz ihrer Schönheit. Streng gegen sich und andere galt ihrem Hause ihre aufopfernde Liebe. Die Gedichte in: „Von Strand und Straße“ und „Abendleuchten“ lassen fühlen, was diese Frau Jakob Loewenberg wurde. Amaryllis. An dem Fenster steht die Amaryllis, Die sie sorglich mondelang gezogen. Von den großen, sonnenfarbnen Kelchen Ist der schlanke Stengel leicht gebogen. 128