Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Jakob Loewenberg
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 119 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Reinmüller selbst hatte ihm geraten, eine Schule zu übernehmen. Er fühlte wohl, wie diese Lehrerpersönlichkeit sich noch ganz anders entfalten könnte und müßte, und Loewenberg sehnte sich, Deutsch und Geschichte zu unterrichten. Darauf mußte er an der reformierten Realschule verzichten. Damals war das höhere Schulwesen Hamburgs überwiegend in privaten Händen, so daß der Initiative des Einzelnen reiche Möglichkeiten gegeben waren. Als er die Schule übernahm, zählte sie 138 Schülerinnen. In harter, schwerer Arbeit, oft der Verzweiflung nahe, hat Loewenberg die Schule dann zu der Höhe gebracht, die sie zu einer vorbildlichen Mädchenschule im ersten Viertel dieses Jahrhunderts machte. Hier konnte er sich pädagogisch voll auswirken. Von dem Augenblicke an, wenn er die Schulanfänger bangen und freudigen Herzens im blumengeschmückten Klassenzimmer sammelte und in frohem Wechselgespräch zum Märchen führte, war er ihnen Freund und Führer bis in die beiden obersten Klassen, wo er in seinen Deutschstunden ihnen das Beste und Tiefste gab, was er als Mensch und Lehrer zu geben hatte. Niemand wird es vergessen, der mit ihm ein Drama lesen und besprechen durfte. Und jedes Mal freute er sich, als ob er es zum ersten Male hörte. „Immer ist eine Dichtung neu, wenn andere Menschen an sie herankommen.'' Deshalb gab es für ihn nie eine Wiederholung. Jede Stunde war ein Einmaliges. HQ