Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Jakob Loewenberg
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 113 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Im Winter 84/85 ging er nach Heidelberg. Hier kamen zu dem Studium, das ihn nie so recht befriedigen konnte, weil seiner künstlerischen, lebensprühenden Natur die Wissenschaft kalt und hohl erschien, die Freuden des Studenten hinzu. Lehnte er auch Mensur als Barbarei ab, wußte er auch, was hinter dem Korpsstudententum steckte, in seinem Neuphilologischen Verein war er ein froher, ausgelassener Student. Trotzdem er so viel älter war. Er blieb der Verbindung treu, auch als sie zur Landsmannschaft wurde, und trat erst aus, als der Arierparagraph des Koburger L.C. es ihm zur Ehrenpflicht machte. Die Heidelberger ließen ihn ungern ziehen und versuchten alles, ihn zu halten, denn sie waren stolz, den Sänger des Liedes: ,,Ich war zu Heidelberg Student“ als ,,Alten Herrn“ zu haben. Zum 60. Geburtstage hatte die „Cheruskia“ ihm eine Nummer ihrer Zeitschrift gewidmet, und ein alter Kommilitone schrieb dort, daß „er im Verkehr mit seinen Freunden und auf der Kneipe sich voll und ganz dem feuchtfröhlichen Leben Altheidelbergs hingab.“ (Holzberg in Cher. VII., 2.) Er, der nie den Zirkel seiner Verbindung malen konnte, freute sich über die vielen Grüße, und lächelnd sah er noch in den letzten Jahren sein Lied im Wettstreit mit Modeschlagern auf Grammophonplatten und Filmtiteln erscheinen. Nach Heidelberg führte er seine junge Frau auf der Hochzeitsreise, dort studierte der älteste Sohn, und noch zuletzt sah er in Heidelberg das 8 113