Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Jakob Loewenberg
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 111 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Loewenberg ging von Geseke nach London. Da hieß es nun, in der Riesenstadt Stunden geben, um Geld zu verdienen. Eine Empfehlung an Sir Samuel Montague blieb ergebnislos, weil Loewenberg auf die Frage, ob er orthodox sei, antwortete, daß er wohl alles kenne, innerlich aber nicht mehr fromm sei. So konnte er die Hauslehrerstelle, die ihm einen sorglosen Aufenthalt gesichert hätte, nicht bekommen. Aber er hungerte lieber als eine Unaufrichtigkeit zu begehen. Er suchte, annonzierte, lief zu Agenten und fand nichts. „Da laufe ich nun 3 Wochen umher, da glaube ich, was zu sein, etwas zu können, und niemand ist da, der mich brauchen kann. Sich anbieten, sich rühmen, sich anbieten als eine Ware, o, es ist beschämend, niederdrückend, aber das Leben ist ein Markt, und wer Kunden haben will, muß schreien. Muß er?“ (Tg. 12. November 1881.) Die Not des Tages, die Sehnsucht nach der heimgegangenen Schwester brachten ihn in der ersten Londoner Monaten oft hart an den Rand des Selbstmordes. Aber er schwelgte dann in den Bücherschätzen des Britischen Museums; ein Stück Brot und ein Apfel im Hydepark waren oft seine Mahlzeit, wenn er nur Shakespeare dabei weiterlesen konnte. Er fand Freunde — Eugen Oswald, Kahn, Borgzinner —, fand auch Stunden in einigen Privatschulen, wie seine Schülerverzeichnisse und Notizen zeigen, und so wurde die Zeit in London doch eine glückliche. Die letzte