Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Jakob Loewenberg
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 110 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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sechs Wochen zu dienen« Aber er spürte, daß er weiter müsse, weiter hinaus und höher hinauf. Ihn drückte sein Amt, mehr und mehr hatte er sich von der Frömmigkeit der Jugendzeit gelöst. Er schreibt darüber in den „Zwei Quellen“ (S. 140): „Ich fühlte den Boden unter meinen Füßen schwanken, ich durfte nicht mehr Prediger und Vorbeter bleiben, ich war nicht mehr gläubig« Es war ganz von selber gekommen, ohne einen äußeren Anstoß, wie die Blütenblätter fallen, wenn die Sonne steigt und das Licht greller wird. Was ich in vertrauensseligem Kinderglauben als hoch und heilig gehalten, begrub ich kalt und stolz, als sei's ein Stein, als sei's für immer abgetan. Aber es war eine Wurzelknolle. Der tiefreligiöse Sinn war lebendig geblieben, und stärker als zuvor wuchs die Verehrung für die Geschichte und den Geist des Judentums, den Geist der Propheten daraus empor — Aber gläubig ward ich nicht wieder.“ Ihn quälte die Unvollkommenheit seines Wissens, er spürte die Mängel des Autodidakten. Nie verwand er, daß ihm in diesen Bildungsjahren jeder Rat gefehlt hatte. Hätte er statt all der Examina das Abitur gemacht — wie viel Arbeit und wie viele Enttäuschungen wären ihm erspart geblieben! So läßt er den Helden der „Zwei Quellen“ den graden Weg — Abitur, Universität — gehen, den ihm keiner wies. HO