Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 29 (1931)
- Article
- Jakob Loewenberg
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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alt war, zu meinem Geburtshaus, das dicht bei der Kirche steht, beim Pastorat vorbei, zu der kleinen Synagoge, die jetzt als Kohlenschuppen dient, jede Ecke, jeder Weg mir so bekannt, trotz aller Neubauten, alles heimelich und vertraut. Nur die Entfernungen, die mir einst so unendlich weit dünkten, wie schrumpfen sie zusammen, fast wie die verlebten Jahre, Raum und Zeiten, wie rücken sie so nah zusammen.“ (Tg. 27, Mai 1926.) In Niederntudorf wurde Jakob Loewenberg am 9, März 1856 geboren. Als Jüngster wuchs er mit sieben Geschwistern auf. Er hat sie alle überlebt. Der Geburtsschein lautete zwar auf den 16. März, andere Papiere auf den 18., und so hatte er auch eine Zeitlang gefeiert. Erst später legte er die „Geburtstagsfeier auf den 9., das wohl richtige Datum“, wie er am 18. 3. 1896, „Datum meines Geburtstages, wie ich ihn früher feierte“, schreibt. Alle Freuden des Dorfkindes gaben seiner Kindheit Helligkeit und Frohsinn. Immer wieder hat er von dem Reichtum des Landkindes, das er Zeit seines Lebens im Herzen geblieben ist, gesprochen. „Wie ist doch das Leben auf dem Dorf so schön! Ich habe da immer das rechte, echte Heimatgefühl. Alles so voll freier, froher Erinnerungen. Die Stadtkinder, die Stadtmenschen sind arme Geschöpfe. Mal Dir ein Haus, ein Schloß mit den schönsten und kostbarsten Dingen aus, was ist es gegen ein Gärtchen! Ein Apfelbaum, ein Kirsch- 102